Dieser Wochenbericht bündelt 5 ausgewählte Entwicklungen. Enthalten sind unter anderem „Genetische Risikoscores sagten postinfektiöses CFS in einer Kohorte nicht voraus“ und „ME/CFS-Versorgungsstudie zeigt keinen Vorteil bei körperlicher Funktionsfähigkeit“; hinzu kommen 3 weitere Meldungen. Die Auswahl umfasst 4 peer-reviewte Fachpublikationen und einen Studienregistereintrag; die ausgewiesenen Evidenzstufen verteilen sich auf mittel (4) und vorläufig (1); jede Meldung nennt ihre eigenen Aussagegrenzen. Die Quellenabdeckung war eingeschränkt; der Bericht kann deshalb unvollständig sein und erhebt keinen Anspruch auf eine vollständige Übersicht aller weltweit erschienenen Inhalte.
Evidenzstufen verständlich erklärt
höher
im jeweiligen Kontext vergleichsweise belastbar; die genannten Aussagegrenzen gelten weiter
mittel
relevante Hinweise mit erkennbaren Einschränkungen
vorläufig
frühe oder noch nicht ausreichend bestätigte Hinweise
Kontext
Leitlinien-, Register-, Versorgungs- oder Hintergrundinformation; keine eigene Wirksamkeitsstufe
Die Stufe ist eine redaktionelle Einordnung, kein Behandlungsvotum.
Original veröffentlicht: · Evidenz: mittel · Einordnung: offen
Genetische Risikoscores sagten postinfektiöses CFS in einer Kohorte nicht voraus
Originaltitel: Can Depression Polygenic Risk Score Predict Postinfective Fatigue Syndrome (PIFS) in the Dubbo Infection Outcomes Study (DIOS)?
Eine am 23. September online veröffentlichte Kohortenanalyse untersuchte 464 Menschen nach bestätigter Infektion. Bei 89 wurde nach sechs Monaten ein postinfektiöses Fatigue-Syndrom festgestellt, das die in der Studie verwendeten Kriterien für das chronische Fatigue-Syndrom (CFS) erfüllte. Genetische Risikoscores für Depression und CFS sagten diese Diagnose in der Kohorte nicht voraus. Ein möglicher Unterschied nach Geschlecht beim Depressions-Risikoscore war eine explorative, uneinheitlich gestützte Beobachtung und muss unabhängig geprüft werden.
Original veröffentlicht: · Evidenz: mittel · Einordnung: belastend
ME/CFS-Versorgungsstudie zeigt keinen Vorteil bei körperlicher Funktionsfähigkeit
Originaltitel: Evaluation of an Integrated Multidisciplinary Care Model for Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A Prospective, Open-label, Non-randomized Controlled Intervention Study.
Eine prospektive, nicht randomisierte kontrollierte Studie untersuchte ein auf ME/CFS zugeschnittenes multidisziplinäres Versorgungsmodell mit stationärer Rehabilitation. In der Auswertung gemäß Studienplan standen 89 Personen der Interventionsgruppe 93 Kontrollen gegenüber. Nach zwölf Monaten unterschied sich die körperliche Funktionsfähigkeit nicht statistisch signifikant; auch die sekundären Endpunkte zeigten keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Gruppen. Viele Teilnehmende bezeichneten die Rehabilitation als hilfreich für den Umgang mit der Erkrankung. Nach der Rehabilitation sank jedoch bei 42 von 94 erfassten Personen der Bell-Score zur Beeinträchtigung, während er bei 13 stieg. Dieser ungünstige Befund belegt für sich allein keine durch die Rehabilitation verursachte Verschlechterung.
Original veröffentlicht: · Evidenz: mittel · Einordnung: offen
Kohortenstudie untersucht ME/CFS und Angina bei nicht obstruktiven Koronararterien
Originaltitel: Hemodynamic Phenotyping in ME/CFS and ANOCA: Complementary Insights from Coronary Function Testing and Invasive Cardiopulmonary Exercise Testing
Eine Studie an einem Zentrum untersuchte den Zusammenhang zwischen ME/CFS und Angina bei nicht obstruktiven Koronararterien (ANOCA). Bei 47 von 261 Personen mit durch Koronarfunktionstests bestätigter ANOCA wurde zusätzlich ME/CFS festgestellt. In einer gesonderten Gruppe von 27 Personen mit ME/CFS hatten 24 eine bestätigte ANOCA. Bei ihnen zeigte die invasive Belastungsuntersuchung Hinweise auf eine eingeschränkte Sauerstoffausschöpfung im Körpergewebe. Die ausgewählten Gruppen erlauben keine Aussage darüber, wie häufig ANOCA bei Menschen mit ME/CFS insgesamt vorkommt.
Original veröffentlicht: · Evidenz: mittel · Einordnung: belastend
Querschnittsstudie zu kognitiven und psychosozialen Belastungen bei Jugendlichen mit ME/CFS
Originaltitel: Clinical Symptomatology, Cognition and Psychosocial Wellbeing in Adolescents With Myalgic Encephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome: A Cross‐Sectional Observational Study
Eine peer-reviewte Querschnittsstudie aus Melbourne verglich 25 Jugendliche mit leichter bis mittelschwerer ME/CFS mit 25 gesunden Gleichaltrigen. Die ME/CFS-Gruppe zeigte eine niedrigere Verarbeitungsgeschwindigkeit; bei anderen Intelligenzmaßen waren die Unterschiede nicht durchgängig. Zudem berichtete sie schlechteren Schlaf und eine geringere Lebensqualität sowie höhere Angst- und Depressionswerte.
Original veröffentlicht: · Evidenz: vorläufig · Einordnung: offen
Registereintrag zu MRT-Studie bei ME/CFS aktualisiert
Originaltitel: Functional Neuroimaging to Detect the Neural Signatures of the Unpleasantness of Pain and Effort
ClinicalTrials.gov weist für die seit 2024 registrierte Studie eine am 18. September 2026 veröffentlichte Aktualisierung aus. Das Register klassifiziert sie als Interventionsstudie mit dem Zweck Grundlagenforschung. Geplant sind MRT-Untersuchungen bei Erwachsenen mit ME/CFS und gesunden Vergleichspersonen. Dabei werden Wärme zur Schmerzreizung und Aufgaben mit körperlicher Anstrengung eingesetzt, um Gehirnreaktionen auf unangenehme Empfindungen zu untersuchen. Im Register sind keine Ergebnisse veröffentlicht.