Ein einzelner Test reicht nicht aus

Bislang gibt es weder einen allgemein anerkannten Labortest noch eine bildgebende Untersuchung, die ME/CFS sicher bestätigt oder ausschließt. Auch wenn übliche Untersuchungen unauffällig bleiben, sind die Beschwerden und Einschränkungen real. Gleichzeitig ist es wichtig, andere behandelbare Erkrankungen zu erkennen.

Bausteine

Was zu einer sorgfältigen Abklärung gehört

Zeitlicher Verlauf

Besprochen werden der Beginn der Beschwerden, mögliche Auslöser und der bisherige Verlauf. Dazu gehört auch, was vor der Erkrankung im Alltag möglich war.

Verschlechterung nach Belastung

Welche Belastung ging den Beschwerden voraus? Wann wurden sie stärker, und wie lange dauerte die Erholung?

Gesamtbild

Schlaf, Denken, Kreislauf, Schmerzen, Reizempfindlichkeit und weitere Beschwerden werden gemeinsam betrachtet.

Andere Ursachen

Gezielte Untersuchungen helfen zu klären, ob andere Erkrankungen die Beschwerden erklären oder zusätzlich vorliegen.

Vorbereitung

Das Arztgespräch vorbereiten

Eine kurze, strukturierte Übersicht kann Gespräche erleichtern, besonders wenn Konzentration und Belastbarkeit begrenzt sind. Sie dient der Kommunikation, nicht der Selbstdiagnose.

  • Beginn und Verlauf mit den wichtigsten Zeitpunkten
  • Was sich in Schule, Beruf und Alltag seit der Erkrankung verändert hat
  • Beispiele für Belastung und verzögerte Folgen
  • Vorbefunde, Medikamente und relevante Begleiterkrankungen
  • Die wichtigsten Fragen möglichst schriftlich, nach Dringlichkeit geordnet
Begriffe

Was Diagnosekriterien leisten

Zu den international verwendeten Kriterien gehören die Kanadischen Konsenskriterien von 2003, die Kriterien des damaligen Institute of Medicine – heute National Academy of Medicine – von 2015 und die Empfehlungen der NICE-Leitlinie NG206. Sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte und Mindestdauern. Kriterien unterstützen die ärztliche Beurteilung, sind aber kein Online-Selbsttest und ersetzen weder Krankengeschichte noch Untersuchung. Zusätzlich können andere Erkrankungen vorliegen, die eine eigene Behandlung erfordern.

Weiterlesen

Quellen

Direkt nachlesen

GesundheitsinformationDiagnosing ME/CFSCenters for Disease Control and Prevention (CDC) · geprüft 09.09.2026LeitlinieME/CFS: diagnosis and management (NG206)National Institute for Health and Care Excellence (NICE) · geprüft 09.09.2026ForschungVergleich internationaler Falldefinitionen und DiagnosekriterienNational Academies · NCBI Bookshelf · geprüft 10.09.2026GesundheitsinformationChronisches Fatigue-Syndrom (ME/CFS)gesund.bund.de · geprüft 09.09.2026FachzentrumCharité Fatigue CentrumCharité – Universitätsmedizin Berlin · geprüft 09.09.2026
Vertiefung & Einordnung

Was eine sorgfältige Abklärung leisten soll

Im Gespräch über die Krankengeschichte werden der Beginn und Verlauf der Beschwerden erfasst: Wie wirken sich Belastungen aus? Welche Schlaf-, Denk- oder Kreislaufprobleme treten auf? Und was ist im Alltag noch möglich? Auch Medikamente und bereits bekannte Erkrankungen werden berücksichtigt. Untersuchungen richten sich nach den Beschwerden und möglichen anderen Ursachen; eine möglichst lange Liste von Spezialtests ist für sich kein Qualitätsmerkmal.

Diagnosekriterien helfen bei der ärztlichen Beurteilung. Sie eignen sich nicht als Online-Selbsttest. Die zeitliche Entwicklung zählt ebenso wie das Symptommuster. Fragen an die behandelnde Praxis können sein: Welche Ursachen wurden geprüft? Welche Befunde sind noch offen? Wie werden neue Symptome weiter abgeklärt? Eine schriftliche Zusammenfassung kann wiederholte Erklärungen ersparen, ersetzt aber keine Untersuchung.

Quelle zur Vertiefung: CDC: Diagnostik. Diese Einordnung dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder rechtliche Beratung.